Macau ist bekannt für seine hohe Dichte an Sternerestaurants, die eine einzigartige kulinarische Landschaft schaffen, die seine komplexe Geschichte widerspiegelt. Aber die Küche Macaus ist mehr als nur gehobene Küche. Sie erzählt die Geschichte einer kleinen Region, die sich am Schnittpunkt der Kulturen wiederfand. Die Stadt vereint Einflüsse aus Ost und West. Ein Scherz unter Einheimischen lautet: “Die besten Michelin-Restaurants stehen in Macau.” Kein Wunder. Die kulinarische Szene der Stadt ist einzigartig.
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Im Jahr 1793 besuchte der britische Gesandte Lord Macartney China. Er überreichte Kaiser Qianlong Geburtstagsgeschenke und bat um Handelsprivilegien. Die Briten hatten ursprünglich Zhoushan und Macau für ihre Handelsrouten im Visier. Doch Kaiser Qianlong lehnte diese Pläne ab. Er hielt Zhoushan für zu nah an Chinas reichen Regionen. Zu diesem Zeitpunkt war Macau bereits seit Jahrhunderten von den Portugiesen besetzt. Einige Jahrzehnte später führten die Opiumkriege dazu, dass die Briten in Hongkong Fuß fassten. Doch Macau blieb lange Zeit die wahre “Perle” Asiens.
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Heute lebt diese ruhige Stadt nicht von großen historischen Erzählungen. Stattdessen ist sie stolz auf die köstlichen, tröstlichen Gerichte, die auf ihren Straßen und in ihren Häusern serviert werden. Von Bacalhau bis hin zu Eierkuchen – Macaus Küche erzählt eine Geschichte von Einfachheit, Widerstandsfähigkeit und jahrhundertelanger kultureller Verschmelzung.
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Macau: Vom Rand des Reiches zur kulinarischen Macht
Historiker sehen oft die Schlacht von Yamen 1279 als Ende der klassischen Ära Chinas. Doch Macaus Geschichte verläuft gegensätzlich. An den südlichen Ufern des Perlflusses gelegen, gewann die Region erst nach dem Untergang der Song-Dynastie an Bedeutung.
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Vor der Kolonialzeit war Macau von Hakka- und “Danzhai”-Gemeinschaften (Hausbootbewohnern) geprägt. Das Land, bekannt für seine ruhigen Gewässer und üppigen Austern, bot perfekte Bedingungen für Fischerdörfer. Trotz seiner Abgeschiedenheit führten die Fischer ein zufriedenes Leben, gesegnet mit frischen Meeresfrüchten.
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Ein typisches Gericht Macaus ist die Wasserkrabben-Brei (Shui Xie Zhou). Der Name täuscht: Es handelt sich nicht um gewöhnliche Krabben, sondern um junge Exemplare, die besonders saftig sind. Diese werden langsam mit Reis gekocht, bis ein reichhaltiger Brei entsteht, der Geschmack und Textur perfekt vereint.
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Macaus Umgang mit Meeresfrüchten: Einfach, frisch und geschmackvoll
Die lokale Zubereitung von Meeresfrüchten ist oft simpel: Blanchieren. Ob Garnelen, Tintenfisch oder Gemüse – in heißem Wasser oder kurz angebraten, serviert mit Knoblauch, Sojasauce oder Pfeffer. Diese “Wasserbad”-Methode bewahrt das Wesentliche. Es ist eine schlichte, aber raffinierte Methode, die die Frische der Zutaten unterstreicht.
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Hätte Macau keine koloniale Vergangenheit, könnte es heute Küstenstädten wie Zhanjiang, Zhangzhou oder Wenzhou ähneln – bekannt für ihre Küche, aber international weniger beachtet. Doch die Geschichte schrieb einen anderen Weg. Macau wurde zum Schmelztiegel der Kulturen.
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Portugiesisches Erbe: Eine kulinarische Verschmelzung
200 Jahre nach der Schlacht von Yamen kamen portugiesische Missionare nach Macau. Portugals maritime Vorherrschaft teilte die Welt in spanische und portugiesische Einflusssphären. Die Portugiesen brachten ihre Küche, Kultur und Innovationen in diese Küstenstadt.
1557 wurde Macau offiziell portugiesische Kolonie – der Beginn einer über 400-jährigen Kolonialgeschichte. Das portugiesische Erbe zeigt sich bis heute, vor allem in der Küche.
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Ein kulinarisches Highlight ist die Portugiesische Eiercreme-Tarte (Pastel de Nata). Es gibt zwei Hauptvarianten: Die von Andrew, einem Engländer, der sich in eine Macau-Portugiesin verliebte, und die von Margaret, die weltweit berühmt wurde – sogar bei KFC.
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Ein weiteres Highlight ist Hackfleisch (Capela), eine Mischung aus Rind oder Schwein, gewürzt mit Sojasauce, Zucker und Gewürzen. Dieses Gericht spiegelt britische, indische und chinesische Einflüsse wider. Interessanterweise findet man es in Portugal selbst nicht – es ist ein Produkt Hongkongs kolonialem Schmelztiegel.
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Hähnchen à la Macau: Ein kulinarisches Meisterwerk
Portugiesisches Huhn (Frango à Macaense) ist ein Schmorgericht mit Kartoffeln, Zwiebeln, Eiern und Gewürzen wie Kurkuma aus Malakka, Kokosmilch und portugiesischem Käse. Diese Fusion portugiesischer Techniken mit lokalen Zutaten zeigt, wie sich die Kolonialküche an lokale Gegebenheiten anpasste. Sogar in Afrika entstanden Varianten wie das “Afrikanische Huhn”.
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Ein weiteres Highlight ist Bacalhau, gesalzener Kabeljau, der in Macau mit Maniok, Zwiebeln und Chili eine südostasiatische Note erhält.
Der Genuss des Schweinebrötchens
Ein Muss für jeden Besucher ist das Schweinebrötchen. Einfach im Konzept – knuspriges Schweinefleisch in einem weichen Brötchen – aber die Perfektion liegt im Detail. Das zarte Fleisch, die knusprige Panade und die buttrige Textur schaffen ein perfektes Geschmackserlebnis.
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Fazit: Eine Stadt der kulinarischen Wunder
Macaus Küche erzählt von Handel, Migration und kulturellem Austausch. Von einfachen Fischgerichten bis zu portugiesischen Eintöpfen – jedes Gericht ist ein Kapitel der Geschichte. Hier verschmelzen Ost und West zu einem einzigartigen kulinarischen Erbe.
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