Wenn Menschen an Cola denken, fallen ihnen meist Coca-Cola oder Pepsi ein. Doch in der indischen Cola-Geschichte sticht ein sprudelnder Rebell hervor: Thums Up. Mit mehr Sprudel, höherem Koffeingehalt und kühnen Aromen entstand dieses ikonische Getränk nicht einfach als Produkt – es wurde durch Politik, Nationalstolz und eine großzügige Prise Gewürze geschmiedet.
Coca-Cola verlässt Indien: Der Funke, der alles entfachte
In den 1950er Jahren trat Coca-Cola in Indien auf, bediente aber hauptsächlich die Oberschicht. Jahrzehntelang blieb der Markt für Erfrischungsgetränke fade, mit nur Coca-Cola und einigen Getränken des lokalen Giganten Parle wie Gold Spot (ein Orangenlimonade) und Limca (ein Zitronen-Limetten-Getränk).

Doch 1977 änderte sich alles. Indien hatte das Foreign Exchange Regulation Act (FERA) verabschiedet, das ausländische Beteiligungen auf 40% begrenzte und Technologietransfers an indische Partner vorschrieb. Coca-Cola weigerte sich, seine „Geheimformel“ preiszugeben, und verließ nach Jahren des Zögerns den indischen Markt vollständig.
Thums Up betritt die Bühne: Indiens Cola-Revolution
Parle ergriff schnell die Chance. Cola-Rezepte waren keine Raketenwissenschaft – hauptsächlich Vanille, Zimt und Phosphorsäure. Doch Parle entschied sich für Kühnheit: Sie erhöhten den Sprudeleffekt, packten mehr Koffein hinein (13 mg/100 ml gegenüber Coca-Colas 9 mg), verwendeten Rohrzucker für eine tiefere Süße und fügten indische Gewürze wie Muskatnuss und Kardamom hinzu. Einige scherzten sogar, es hätte eine Spur Curry!
So wurde Thums Up geboren – eine Cola für die indische Seele: stärker, würziger und unverhohlen lokal.
Kuriosität: Die Marke heißt „Thums Up“ statt „Thumbs Up“, weil der Buchstabe „b“ in der Aussprache stumm ist, und die Gründer beschlossen, ihn einfach wegzulassen – praktisch und sehr indisch.

Pepsis Kartoffel-Strategie
1988 wollte Pepsi auf den indischen Markt. Doch mit FERA noch in Kraft musste das Unternehmen kreativ werden. Statt Getränke zu verkaufen, trat Pepsi als Agrarunternehmen auf und richtete Kartoffelfarmen für sein Lay’s Chips-Geschäft ein. Es war nicht der profitabelste Weg, schuf aber Arbeitsplätze und Infrastruktur – ein strategisches Langzeitspiel.

Coca-Cola kehrt zurück: Plottwist!
1991 stand Indiens Wirtschaft vor dem Kollaps. Die Sowjetunion, Indiens alter Verbündeter, hatte sich aufgelöst. Angesichts der Wirtschaftskrise öffnete sich Indien der Liberalisierung und verabschiedete sich von FERA. Ausländische Unternehmen waren wieder willkommen.
1993 betrat Coca-Cola erneut den indischen Markt – mit einem Paukenschlag. Es kaufte Thums Up, Gold Spot und Limca von Parle. Pepsi, das jahrelang die Regeln befolgt hatte, war geschockt. Es war, als würde man jahrelang um jemanden werben, nur um zuzusehen, wie er/sie den reichen Ex heiratet, der gerade zurück in die Stadt gezogen ist.

Die Folgen: Immer noch stark am Sprudeln
Coca-Cola hoffte zunächst, Thums Up durch sein Flaggschiffgetränk zu ersetzen. Doch die Loyalität der Inder wurde unterschätzt. Viele Verbraucher merkten nicht einmal, dass Thums Up den Besitzer gewechselt hatte. Heute gehört es immer noch zu den meistverkauften Colas Indiens.
Würzig, intensiv und zutiefst indisch – Thums Up beweist, dass sich Kühnheit manchmal auszahlt. Selbst im globalen Cola-Krieg hat dieser sprudelnde Rebell ein Vermächtnis geschaffen, das weiterhin stark brodelt.

Abschließende Gedanken
Thums Up ist nicht nur ein Getränk; es ist ein sprudelndes Stück indischer Geschichte. Von regulatorischen Umwälzungen bis zur patriotischen Geschmacksrevolution erinnert seine Geschichte daran, dass lokaler Stolz, kühne Aromen und eine Prise Gewürz etwas wahrhaft Ikonsiches schaffen können.