Identitätstäuschung ruinierte das Leben einer Frau, die sich online als Mann ausgab und über Jahre hinweg Hunderte von Frauen manipulierte und emotional missbrauchte.
Für die meisten Menschen war Abby eine gebildete und selbstbewusste Frau.
In ihrer Jugend erreichte sie das Finale des Miss Scotland-Wettbewerbs.
Später wurde sie Flugbegleiterin und reiste um die Welt.
Ende 2014 eilte Abby zurück in ihre Heimatstadt Kilmarnock, nachdem sie erfahren hatte, dass ihr Großvater einen Schlaganfall erlitten hatte.
Während dieser stressigen Zeit erhielt sie eine FreundschaftsanfrageFacebook.
Sie hatte keine Ahnung, dass ein einziger Klick das nächste Jahrzehnt ihres Lebens verändern würde.
Die Anfrage kam von einem Mann namens David Graham.
Er behauptete, der Arzt zu sein, der ihren Großvater behandelte.
Sein Profilfoto sah professionell und charmant aus, was ihre Wachsamkeit minderte.

Ein Profil, das sich zu real anfühlte
Nachdem sie die Anfrage angenommen hatte, bemerkte Abby, dass Davids Konto echt zu sein schien.
Er teilte Fotos mit Freunden, Bilder von Krankenhausfluren und Videos mit einer jungen Nichte.
Alles deutete auf ein stabiles und freundliches Berufsleben hin.
Ein Detail fühlte sich seltsam an.
Abbys Mutter erzählte ihr, sie habe diesen Arzt noch nie im Krankenhaus gesehen.
Dennoch verwarf Abby die Bedenken und ging weiter.
Zu dieser Zeit hatte Abby eine Tanzgruppe gegründet und Probenvideos online geteilt.
David schrieb ihr bald voller Begeisterung eine Nachricht.
Er behauptete, einen Wohltätigkeitsball zu organisieren und wollte, dass ihre Gruppe auftrat.

Abby fühlte sich geehrt und teilte das Werbematerial öffentlich.
Zwei Tage später erhielt sie eine anonyme Warnung.
Es sagte ihr, sie solle David Graham niemals vertrauen.
Der erste Riss in der Illusion
Abby war beunruhigt und kontaktierte direkt den Veranstaltungsort.
Ihr wurde gesagt, dass nie ein Benefizball geplant gewesen sei.
Angst ersetzte fast augenblicklich die Verwirrung.
Entschlossen, die Wahrheit aufzudecken, begann Abby, online Kontakt zu anderen Frauen aufzunehmen.
Sie fragte, ob sonst noch jemand David Graham kenne.
Schließlich gründete sie einen privaten Gruppenchat mit Frauen, die mit ihm interagiert hatten.
Eine Frau berichtete von einem seltsamen Erlebnis.
David hatte einmal während eines Anrufs einer Freundin namens Adele sein Telefon gegeben.
Der Name kam Abby bekannt vor.
Sie suchte online und fand ein Foto von Adele.
Die Anerkennung schlug sofort ein.
Adele war die Krankenschwester, die in der Krankenstation ihres Großvaters arbeitete.
Eine Identität fällt auseinander
Die Teile wurden schließlich ausgerichtet.
Es gab keinen Arzt namens David Graham.
Die Person hinter dem Konto war eine Krankenschwester namens Adele Renney.
Sie hatte Fotos und Videos gestohlenInstagram.
Sie nutzte sie, um eine männliche Persönlichkeit aufzubauen und online mit Frauen zu flirten.
Die Erkenntnis hinterließ bei Abby ein körperliches Übelkeitsgefühl.
Ende 2014 kontaktierte Abby das Krankenhaus, um die Täuschung zu melden.
Als ihre Ansprüche abgewiesen wurden, ging sie zur Polizei.
Nach stundenlangen Verhören wurde ihr mitgeteilt, dass technisch gesehen kein Verbrechen vorliege.
Identitätswechsel allein war ohne Betrug oder direkte Drohungen nicht illegal.
Frustriert nahm Abby die Sache selbst in die Hand.
Sie hat die gefälschte Identität online öffentlich bloßgestellt.
Es gingen Nachrichten ein.
Viele Frauen erzählten ähnliche Geschichten.
Einige Erfahrungen waren weitaus schlimmer als die von Abby.
Ein Muster emotionaler Kontrolle
Nachforschungen enthüllten später das Ausmaß der Täuschung.
Adele war eine der häufigsten Online-Romance-Täterinnen Schottlands.
Mehr als hundert Frauen waren ins Visier genommen worden.
Einige Opfer wurden unter Druck gesetzt, vertrauliche Bilder zu senden.
Andere wurden bedroht, als sie versuchten, den Kontakt abzubrechen.
Unter den Berichten stach eine Frau namens Samantha heraus.
Samanthas Geschichte

Im Jahr 2015 erhielt Samantha eine Freundschaftsanfrage von David.
Ihre Gespräche eskalierten schnell.
Er überschüttete sie mit Komplimenten und Zuneigung.
Bald begann er, Geschenke zu verschicken.
Alle paar Wochen kamen Blumen.
Sie wurden immer von demselben Floristen namens Ashley geliefert.
Ashley lobte David und beschrieb ihn als einen hingebungsvollen Mann.
Trotz dieser Beruhigung hatte Samantha das Gefühl, dass etwas nicht stimmte.
David vermied es immer, sich persönlich zu treffen.
Er rief sie täglich an, manchmal stundenlang.
Wenn Samantha nicht schnell antwortete, änderte sich seine Stimmung.
Wut ersetzte ohne Vorwarnung die Zuneigung.
Schließlich stimmte David einem Treffen bei einem Konzert zu.
Als Samantha ankam, wartete nur Ashley.
David erschien nie.
Später am Abend rief er mit Entschuldigungen an.
Samantha wusste, dass die Wahrheit näher war als je zuvor.
Die letzte Offenbarung

Samantha entwickelte einen Plan.
Sie bat David, ihrer Mutter ein Geburtstagsgeschenk nach Hause zu bringen.
Ihre Mutter bemerkte das beteiligte Auto.
Tage später entdeckte Samantha denselben roten Vauxhall Corsa in der Nähe eines Krankenhauses.
Sie rief David an, als der Fahrer ausstieg.
Eine Frau nahm den Anruf entgegen.
Es war Ashley.
Ihr richtiger Name war Adele Renney.
Sie hatte Software zur Stimmveränderung verwendet.
Der Schock war überwältigend.
Festnahmen und wiederholte Straftaten
Im November 2015 nahm die Polizei Adele nach weiteren Berichten fest.
Sie bekannte sich in mehreren Anklagepunkten schuldig.
Dazu gehörten unanständige Kommunikation, sexuelle Nötigung und Stalking.
Im Dezember 2017 wurde sie zu einer Gefängnisstrafe von 22 Monaten verurteilt.
Sie wurde für zehn Jahre im Sexualstraftäterregister eingetragen.
Nach ihrer Verurteilung meldeten sich weitere Opfer.
Sie wurde 2018 freigelassen.
Innerhalb weniger Monate kehrte sie zur Online-Täuschung zurück.
Diesmal gab sie sich als wohlhabende Anwältin aus.
2019 wurde sie erneut wegen Betrugs inhaftiert.
Die Opfer glaubten, dass die Strafe nie dem Schaden entsprach.
Erlösungsversuche

Während ihrer späteren Inhaftierung sprach Adele über ihre Kindheit.
Sie beschrieb häusliche Gewalt zu Hause.
Ihr Vater starb durch Selbstmord, als sie sechs Jahre alt war.
Ihre Mutter drückte tiefe Scham und Trauer aus.
Sie sagte, sie erkenne ihre Tochter nicht mehr.
Im März dieses Jahres wurde Adele erneut freigelassen.
Sie entschuldigte sich öffentlich für ihre Taten.
Sie behauptete, eine psychiatrische Behandlung erhalten zu haben.
Sie gab zu, ihren Schmerz auf andere zu projizieren.
Sie drückte ihr Bedauern über das Leid aus, das sie verursacht hatte.
Eine Angst, die niemals ganz endet
Für Abby war die Geschichte nie wirklich zu Ende.
Im Oktober 2023 kontaktierte eine andere Frau sie.
Sie zeigte ihr ein Profil namens Callum.
Das Gesicht war identisch mit dem von David.
Abby gab sofort eine öffentliche Warnung heraus.
Am nächsten Tag rief Adele sie direkt an.
Spätere Beweise bestätigten, dass die Täuschung fortgesetzt worden war.
Ein Video von einem Londoner Konzert zeigte Adele beim Tanzen in der Menge.
Zehn Tage nach ihrer Freilassung im vergangenen November wurde Adele erneut verhaftet.
Sie hatte gegen gerichtliche Auflagen verstoßen, indem sie Kontakt zu Opfern aufgenommen hatte.
Sie wurde mit zusätzlicher Strafe ins Gefängnis zurückgebracht.
Eine stille Hoffnung auf Schließung
Seitdem hat Abby ihr Leben neu aufgebaut.
Sie hat Kinder und hat seit Jahren nichts von Adele gehört.
Dennoch verschwindet die Angst nie ganz.
Sie glaubt, dass wahre Heilung erst dann kommen wird, wenn die Täuschung endlich aufhört.
Das Gefängnis allein reicht ihrer Meinung nach nicht aus.