Die Suicide-Pod-Technologie in der Schweiz löst eine Debatte aus, da sich Solo-Kapseln zu Paargeräten und KI-gestützten Todeswerkzeugen entwickeln.
Vor zwei Jahren schockierte die umstrittene Selbstmordkapsel namens Sarco das weltweite Publikum und entfachte die Debatte über Sterbehilfe neu. Damals glaubten viele, die Diskussion sei am Ende angelangt.
Nur wenige hätten gedacht, dass die Geschichte in eine so beunruhigende Richtung weitergehen würde.
Der erste Sarco-Tod und eine unvollendete Untersuchung
Im September 2024 betrat eine 64-jährige Amerikanerin in einem abgelegenen Wald in der Schweiz eine Sarco-Kapsel. Nachdem sie das Gerät aktiviert hatte, war sie die erste registrierte Person, die ihr Leben mit dieser Maschine beendete.
Sarco funktioniert, indem es die Atemluft durch Stickstoff ersetzt, was zu schnellem Bewusstseinsverlust und schließlich zum Tod führt. Sein Schöpfer beschrieb den Prozess als friedlich und schmerzfrei.
Die Schweizer Behörden waren anderer Meinung. Sterbehilfe durch solche Geräte ist nach Schweizer Recht gesetzlich nicht zulässig. Kurz nach dem Vorfall nahm die Polizei festFlorian Willet, der vor Ort anwesende Bediener.
Im weiteren Verlauf der Ermittlungen kamen besorgniserregende Details ans Licht. Die Polizei gab an, dass die Frau möglicherweise nicht sofort gestorben sei. Es gab Hinweise darauf, dass sich die Kapsel bewegte, dass sie sich möglicherweise wehrte und dass sich an ihrem Hals Abdrücke abzeichneten. Was als Fall illegaler Sterbehilfe begann, ähnelte allmählich einer Mordermittlung.
Es wurden nie entscheidende Beweise gefunden. Willet wurde freigelassen, aber die psychologischen Auswirkungen waren schwerwiegend. Im folgenden Jahr starb er selbst durch Selbstmord.
Der Erfinder und seine Weigerung aufzuhören

Sarcos Erfinder,Philip Nitschke, drückte sein tiefes Bedauern über Willets Tod aus. Er machte die lange Haft und die aufsehenerregende Berichterstattung in den Medien dafür verantwortlich, dass sein Kollege verzweifelt war.
Trotz der Tragödie gab Nitschke keinen Rückzieher. Stattdessen kündigte er Pläne für eine neue Generation von Selbstmordgeräten an, darunter eines, das sofort auf breite Ablehnung stieß.
Eine Kapsel für Paare

Das neue Design ist als Double Dutch Sarco Pod bekannt. Im Gegensatz zur Originalkapsel ist diese Version für zwei Personen ausgelegt.
Laut Nitschke wünschen sich viele langjährige Partner, gemeinsam zu sterben. Manche haben Angst, allein dem Tod gegenüberzustehen. Andere beschreiben Einzelselbstmord als emotional unerträglich.
Diese Kapsel für Paare ist doppelt so groß wie das Original. Es richtet sich ausdrücklich an Partner, die am selben Tag und zur selben Zeit ihr Leben beenden möchten.

Zwei Knöpfe und eine gemeinsame Entscheidung
Der Aktivierungsmechanismus ist bewusst streng. Die Kapsel enthält zwei separate Knöpfe. Beide müssen gleichzeitig gedrückt werden.
Wenn nur eine Person ihren Knopf drückt, wird das System nicht aktiviert. Die Regel ist einfach. Entweder stimmen beide Teilnehmer voll und ganz zu, oder es passiert nichts.
Die beabsichtigte Todesmethode bleibt Stickstoffexposition.
Prüfung künstlicher Intelligenz und geistiger Leistungsfähigkeit

Eine der umstrittensten Veränderungen betrifft die psychologische Beurteilung. Traditionell suchen Einzelpersonenassistierter Suizidmüssen sich professionellen psychologischen Untersuchungen unterziehen.
Nitschke schlägt vor, Ärzte durch künstliche Intelligenz zu ersetzen. Ein KI-System würde bewerten, ob der Bewerber die Entscheidung versteht und geistig kompetent ist.
Nach der Genehmigung bleibt die Kapsel 24 Stunden lang betriebsbereit. Während dieses Zeitraums können Benutzer es betreten und aktivieren. Nach Ablauf der Frist muss die Beurteilung wiederholt werden.
Stickstofftod und globale Kontroverse

Der Tod durch Stickstoff ist seit langem umstritten. Schon vor Sarco wurde Stickstoff zur Todesstrafe eingesetzt.
In den Vereinigten Staaten ist der BundesstaatAlabamaeingeführte Ausführung durchStickstoffhypoxie. Beamte behaupteten, die Methode sei human.
Zeugenaussagen erzählen eine andere Geschichte. Bei mehreren Hinrichtungen kam es zu sichtbarer Verzweiflung, heftigen körperlichen Reaktionen und einem längeren Tod.
Im Oktober 2024 zum Mörder verurteiltAnthony Boydwurde mit Stickstoff durchgeführt. Beobachter berichteten von Keuchen, Krämpfen und fast vierzig Minuten sichtbarem Kampf, bevor der Tod festgestellt wurde.
Nitschke argumentiert, dass sich diese Fälle grundlegend unterscheiden. Gefangene wehren sich gegen den Tod, behauptet er. Menschen, die sich freiwillig in eine Selbstmordkapsel begeben, tun dies nicht.
Kritiker sind weiterhin nicht überzeugt.
Rechtswiderstand in der Schweiz
Die Schweizer Behörden haben Nitschkes Argumentation nicht akzeptiert. Die Ermittlungen, ob es sich bei Sarco um eine rechtswidrige Beihilfe zum Suizid handelt, dauern noch an.
Bis rechtliche Abschlüsse vorliegen, dürfen weder die Originalkapsel noch die Paarversion offiziell in der Schweiz eingesetzt werden.
Ebenso schwierig ist es, das Projekt ins Ausland zu verlagern. In vielen Ländern gelten strenge medizinische Kriterien, die häufig unheilbare Krankheiten oder irreversible körperliche Leiden erfordern. Die Schweizer Vorschriften sind vergleichsweise mild, sodass eine Umsiedlung undurchführbar ist.
Eine tragbare Alternative: Der Kairos Kollar

Um gesetzliche Beschränkungen zu umgehen, entwickelte Nitschke ein weiteres Gerät namens Kairos Kollar.
Der Name kommt vonKairos, ein griechischer Begriff, der sich auf einen entscheidenden oder günstigen Moment bezieht.
Im Gegensatz zur Kapsel wird dieses Gerät um den Hals getragen. Es übt Druck auf kritische Arterien und Sinnesrezeptoren aus, verringert die Durchblutung des Gehirns und führt zu Bewusstlosigkeit und anschließendem Tod.
Das Halsband ist mit einem kleinen Inflationssystem verbunden, das über eine mobile Anwendung gesteuert wird.
Nitschke lobte offen seine Vorzüge. Er beschrieb es als dauerhaft, dauerhaft und nach der Aktivierung unmöglich zu unterbrechen. Es ist für die Selbstmontage konzipiert, was seiner Meinung nach dazu beiträgt, die Regulierung von Sterbehilfegeräten zu vermeiden.
Ein Selbstmordimplantat für Demenzpatienten

Nitschke hat auch einen implantierbaren Todesmechanismus für Demenzkranke vorgeschlagen.
Das Implantat enthält einen Timer, der täglich Ton- und Vibrationsalarme ausgibt. Wenn der Patient es aufgrund eines kognitiven Verfalls nicht deaktiviert, setzt das Gerät eine tödliche Substanz im Körper frei.
Laut Nitschke ist damit ein moralisches Dilemma gelöst. Demenzkranke verlieren häufig die geistige Leistungsfähigkeit, die erforderlich ist, um einer Sterbehilfe zuzustimmen. Das Implantat ermöglicht es ihnen, im Voraus zu entscheiden, ohne dass eine spätere Genehmigung erforderlich ist.
Gespaltene öffentliche Meinung
Die öffentliche Reaktion ist nach wie vor stark gespalten.
Befürworter argumentieren, dass Einzelpersonen die Kontrolle über den Zeitpunkt und die Art ihres Todes verdienen. Manche vergleichen die Sterbehilfe durch Menschen mit der Sterbehilfe für todkranke Haustiere und stellen sie als einen Akt der Würde dar.
Kritiker sehen etwas Dunkleres. Sie werfen Nitschke vor, gefährdete Bevölkerungsgruppen ins Visier zu nehmen und den Tod zum Konsumprodukt zu machen.
Die Debatte bietet keine einfachen Antworten. Die Einstellung zum Tod variiert je nach Kultur, Glauben und persönlicher Erfahrung.
Eine Frage bleibt ungeklärt. Wenn der Tod mühelos und zugänglich wird, was passiert dann mit dem Überlebensinstinkt der Menschheit?